Neue Führungskraft leitet Veränderungen im Team-Meeting

Veränderungen als neue Führungskraft:
So führst du sie souverän durch

Markus sitzt in einem meiner 1:1 Coachings und erzählt von seinem ersten Monat als Abteilungsleiter. Er ist 45 Jahre alt und hat 12 Jahre Erfahrung in der Branche, und jetzt plötzlich leitet er 35 Menschen.

„Gesa,“ sagt er zu mir, „ich sehe überall Probleme. Die Abläufe sind chaotisch. Die Kommunikation funktioniert nicht. Und meine Vorgängerin hat vieles einfach laufen lassen.“

Er hat bereits eine Liste mit fünf großen Veränderungen, die er in den nächsten vier Wochen umsetzen will: Neue Reportingstrukturen, andere Teammeeting-Formate, klare Zuständigkeiten und ein neues Projektmanagementsystem.

Dann hält er inne und stellt mir eine Frage, die ich hunderte Male von neuen Führungskräften gehört habe:

„Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für all das?“

Als neue Führungskraft stehst du vermutlich genau wie Markus vor dieser zentralen Frage: Wann und wie führst du Veränderungen ein ohne das Team zu verlieren?

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Shared Leadership

Das größte Dilemma bei Veränderungen: Zu viel, zu schnell oder doch zu zögerlich?

Wenn Du als neue Führungskraft Veränderungen gestalten willst, befindest Du Dich in einem echten Dilemma. Auf der einen Seite siehst Du die Probleme deutlich. Dein Blick von außen zeigt Dir, was nicht läuft. Und es juckt in Deinen Fingern, etwas zu verändern.

Auf der anderen Seite spürst Du diese Angst: Was, wenn ich zu früh handele? Was, wenn das Team denkt, ich traue ihnen nichts zu? Was, wenn ich damit alles zerstöre?

Die Forschung bestätigt, dass dieser Moment entscheidend ist. John Kotter hat in jahrzehntelanger Forschung an über 100 Unternehmen belegt: Ohne ein ausreichendes Gefühl der Dringlichkeit zum richtigen Zeitpunkt scheitern die meisten großen Veränderungsvorhaben noch bevor sie wirklich Fahrt aufnehmen. Es geht nicht nur darum, was Du veränderst, sondern wann die Organisation bereit ist, Dir zu folgen.

Und hier ist das Knifflige: Es gibt keine universelle Antwort. Es kommt nämlich auf Dein Team an, auf Dich und natürlich auf die Situation.

Ich erlebe in meinen Coachings zwei extreme Szenarien immer wieder, die ich heute mit Dir teilen möchte:

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Shared_Leadership_Teilzeitführung Potenziale

Fehler 1 bei Veränderungen als Führungskraft: „Ich wollte zeigen, dass ich es besser kann“

Markus ist in Woche sieben und möchte nun Veränderungen in seiner neuen Führungsrolle anstoßen. Er hat Energie, neue Ideen, und er möchte beweisen, dass er die richtige Wahl war. Also startet er mit fünf großen Veränderungen gleichzeitig.

Das Team vergleicht ihn sofort mit seiner Vorgängerin. Erfahrene Mitarbeitende reagieren skeptisch, weil sie nicht verstehen, warum alles auf einmal anders sein muss.

Was hier fehlt:

  • Klarheit über die eigene Rolle

  • Anerkennung für das, was bereits gut läuft

  • Ein gemeinsames Bild von „wohin wir wollen“

Die Folge? Erste Spannungen entstehen. Das Team hat das Gefühl, dass die neue Führungskraft alles besser zu wissen meint. Die Zusammenarbeit wird eher schwieriger als einfacher.

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Shared Leadership Hürden

Fehler 2: „Ich wollte erst einmal nichts falsch machen“

Anna ist das Gegenteil. Sie hält sich komplett zurück. Sie beobachtet, dokumentiert, fragt, aber sie spricht Probleme nicht an.

Das Team wartet auf Orientierung. Probleme bleiben unausgesprochen und wachsen. Nach vier Wochen spürt Anna, dass etwas nicht stimmt, aber sie weiß nicht, wie sie das thematisieren soll, ohne „zu kritisch“ zu wirken.

Was hier fehlt:

  • Klare Kommunikation über Beobachtungen

  • Der Mut zu sagen: „Das funktioniert so nicht“

  • Konkrete Handlung, auch wenn sie unbequem ist

Die Folge? Die Unsicherheit im Team wächst, statt zu schrumpfen.

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Die psychologische Wahrheit:
Dein Team braucht drei Dinge

Ich arbeite hier mit Erkenntnissen von Amy Edmondson (Harvard Business School) und was ich daraus für die Praxis ableite.

Edmondson zeigt in ihrer Forschung: Teams reagieren auf Veränderungen nicht neutral. Sie reagieren emotional. Unsicherheit aktiviert Angst und Angst blockiert genau das, was Veränderung braucht: Offenheit, Lernbereitschaft und Zusammenarbeit.

Was bedeutet das konkret für dich als neue Führungskraft?

Dein Team stellt sich zuerst keine strategischen Fragen. Es stellt sich persönliche. Was bedeutet das konkret für mich? Verliere ich meinen Job? Muss ich umdenken? Kann ich das noch? Diese Fragen bestimmen, wie offen jemand für Veränderung ist.

Beziehung geht vor Struktur. Bevor neue Prozesse greifen können, braucht Dein Team eine Antwort auf eine viel grundlegendere Frage: Wem folge ich hier? Neue Strukturen funktionieren nur, wenn die Menschen dahinter Vertrauen genießen.

Vertrauen entscheidet über Akzeptanz und es ist persönlich. Es geht nicht nur um Vertrauen in die Maßnahme oder die Strategie. Es geht um Vertrauen in Dich als Person.

Du kannst die beste Veränderung vorschlagen. Wenn Dein Team Dir nicht vertraut, wird sie scheitern.

Eine Metapher, die Dich entlasten soll

In einem Coaching mit erfahrenen Abteilungsleiter:innen einer Bank letzten Monat habe ich wieder gemerkt, dass Führungskräfte unter enormem Druck stehen. Sie sollen alles können. Sie sollen alle verstehen. Sie sollen bei jeder neuen Technologie, jeder Veränderung up-to-date sein.

Es ging konkret um das Thema KI und wie überfordernd und rasant KI unseren Arbeitsalltag und entsprechend auch unseren Führungsalltag revolutioniert.

Dann haben sie in ihrem Bereich eine Metapher entwickelt, die ich wirklich stark finde und die vielen von ihnen hilft, diesen Perfektionismus loszulassen. Sie funktioniert für alle Arten von Veränderungen:

Nicht alle müssen das Auto reparieren können. Aber alle müssen es fahren.

Was bedeutet das konkret? Wer heute mit digitalen Tools, KI oder neuen Technologien arbeitet, muss kein:e Entwickler:in sein. Kein:e Expert:in, die/der Systeme auseinandernimmt, Fehler im Code findet und Architekturen neu denkt.

Das darf und soll eine spezialisierte Rolle bleiben.

Aber so wie niemand ohne Führerschein ans Steuer gehört, braucht es in der modernen Arbeitswelt eine Grundkompetenz, die alle mitbringen sollten: den Umgang mit (neuen) Technologien.

Das Verständnis dafür, wie die Maschine funktioniert. Nicht im Detail, aber so weit, dass man sie sicher und sinnvoll bedienen kann.

Dabei ist das Wichtige für Dich als Führungskraft: Du musst auch nicht alles können, was Dein Team kann. Es ist sogar großartig, wenn Deine Mitarbeitenden spezialisierte Fähigkeiten haben, die Du nicht hast. Aber Du brauchst eine Beurteilungskompetenz. Du musst so viel verstehen, dass Du entscheiden kannst, ob ein Weg sinnvoll ist. Du musst Ressourcen bewerten können. Du musst sehen, welche Alternativen es gibt. Das gilt für den Umgang mit KI, aber auch für viele andere Bereiche.

Zudem macht diese Haltung Veränderungen leichter, weil sie Dich von dem Druck befreit, alles perfekt zu machen.

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Shared Leadership Hürden

Dein praktischer Kompass für Veränderungen

Wenn Markus mich heute fragt, würde ich ihm drei Fragen mitgeben, die er bei jeder Veränderung mitlaufen lässt:

1. Was beobachte ich gerade wirklich? Wir brauchen hier keine oberflächlichen Vermutungen, sondern präzise Beobachtungen. Welche konkreten Probleme entstehen täglich? Was sehe ich wirklich, wenn ich genau hinschaue? Sei spezifisch und bleib nah an den Fakten.

2. Was braucht mein Team jetzt? Frage nicht, was theoretisch besser sein sollte, sondern welche aktuellen Schmerzbereiche es gibt. Welche Veränderung würde dem Team helfen und nicht zusätzliche Last bringen? Höre wirklich hin.

3. Was ist mein nächster stimmiger Schritt? Denk in realistischen nächsten Schritten. Was kann ich morgen tun? Welche kleine Aktion hätte einen echten Effekt, ohne zu überfordern?

Diese drei Fragen helfen Dir, zwischen Aktion und Zögerlichkeit zu navigieren.

 

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Shared Leadership Hürden

Was tun, wenn… Dein praktischer Werkzeugkasten

Was tun, wenn mein Team mich ständig mit der Vorgängerin oder dem Vorgänger vergleicht?

Kurz: Benenne die Unterschiede offen und ohne abzuwerten.

Sage: „Ich sehe, dass viele von Euch die Arbeit mit [Vorgänger:in] geschätzt haben. Ich bin anders und das ist in Ordnung. Das bedeutet nicht, dass früher alles falsch war.“

Sprich Deine Haltung klar aus. Menschen vergleichen nicht nur Methoden, sie vergleichen auch Menschen und das ist völlig normal.

 

Was tun, wenn erfahrene Teammitglieder Veränderungen blockieren?

Kurz: Würdige ihre Erfahrung, bevor Du Neues einbringst.

Sag: „Du hast 15 Jahre hier gearbeitet. Du weißt, wie es läuft. Ich möchte Deine Perspektive verstehen, bevor ich etwas vorschlage.“

Beziehe Betroffene früh ein. Menschen blockieren nicht unbedingt die Veränderung selbst, sondern das Gefühl, nicht gefragt worden zu sein.

 

Was tun, wenn ich merke, dass ich als neue Führungskraft zu lange zögere?

Kurz: Gehe kleine, klare Schritte und erkläre sie.

Statt „Wir verändern alles“ könntest Du sagen: „Nächste Woche probieren wir das vier Wochen lang aus. Dann evaluieren wir gemeinsam, wie es läuft.“

Erkläre Deine Entscheidungen, rechtfertige sie aber nicht.

Das ist ein großer Unterschied: Erklären bedeutet „Ich zeige Dir, wie ich denke.“ Rechtfertigen bedeutet „Ich brauche Deine Zustimmung.“

 

Wie erkenne ich als neue Führungskraft, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderungen ist?

Kurz: Teile Deine Beobachtungen und kündige Veränderungen an, bevor Du sie umsetzt.

Sage: „Mir ist aufgefallen, dass… Das möchte ich mit Euch besprechen.“

Menschen haben Angst vor Überraschungen. Wenn sie wissen, dass eine Veränderung kommt, und sie daran mitgestalten können, wird es deutlich leichter.

Die wichtigste Erkenntnis

Veränderungen scheitern in der Regel, weil die Führungskraft nicht versteht, dass Veränderung immer emotional ist.

Dein Job ist nicht, die perfekte Lösung zu haben. Dein Job als Führungskraft ist es, Deinem Team Sicherheit zu geben: durch Transparenz, durch Vertrauensaufbau und durch konkrete Einbeziehung.

Das kostet Energie, ja zugegeben.

Es geht langsamer voran als „Ansagen von oben.“ Aber es funktioniert, Du wirst sehen! Und wenn Du merkst, dass Du selbst unsicher bist, dann ist das völlig okay. Das ist sogar ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass Du die Verantwortung ernst nimmst.

Lass uns sprechen

Wenn Du gerade in Deinen ersten Wochen oder Monaten als Führungskraft bist und merkst, dass Veränderungen schwieriger sind als gedacht oder wenn Du weißt, dass Veränderungen anstehen und Du Dich fragst, wie Du das hinbekommst:

Lass uns unverbindlich sprechen.

Ich begleite Führungskräfte genau durch diese Phase. Gemeinsam schauen wir, welche Veränderungen wirklich wichtig sind. Und wie Du sie so führst, dass Dein Team mitgeht, statt Widerstand zu leisten.

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Wenn Du gerade mit Veränderungen startest:
Vielleicht hilft Dir auch mein Artikel über
die ersten 100 Tage als Führungskraft. Dort baue ich die Grundlage, auf der Veränderungen funktionieren.

Viel Kraft für Deinen Weg! 💪

Deine Gesa

Quellen:
Kotter, J. P. (1995). Leading Change: Why Transformation Efforts Fail. Harvard Business Review. https://hbr.org/1995/05/leading-change-why-transformation-efforts-fail-2

Edmondson: The Fearless Organization (2018) / Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams, Administrative Science Quarterly (1999) https://journals.sagepub.com/doi/10.2307/2666999

 

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Wer schreibt hier?

Ich bin Gesa Weinand, Führungskräftecoach, Trainerin und Gründerin von LEADamos.

Seit über 30 Jahren begleite ich Menschen dabei, in ihre Führungsrolle hineinzuwachsen und ihren eigenen Weg in Führung zu finden.

In diesem Blog teile ich Erfahrungen, Impulse und konkrete Tipps für den Führungsalltag.

Denn gute Führung braucht kein Talent, sondern Ausbildung!

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